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Priska Dauwalder-Späti

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Priska Dauwalder-Späti

Ihr respektvolles Naturell öffnet fremde Türen


Priska Dauwalder fuhr als junge Frau aktiv Velorennen und arbeitete in einer Druckerei. Seit einem Jahr amtet die Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern als Zählerableserin der Regio Energie Solothurn und kann sich die Zeit flexibel einteilen. Meistens ist sie mit dem Elektrovelo unterwegs und hat bei ihren Einsätzen (Bellach, Langendorf, Gerlafingen, Biberist und einige Quartiere von Solothurn) in einem Jahr 2100 Kilometer geradelt.

Der Job, den Verbrauch von Gas, Wasser und Strom abzulesen, empfindet Priska Dauwalder weder als langweilig noch als monoton. Oft ist Kreativität gefordert. Sei es, dass der Eingang zu einer Liegenschaft schwierig zu finden ist, Bewohner weder auf Klingeln noch auf die Meldekarten reagieren. Und ja, nicht nur Briefträger wissen Hundeanekdoten zu erzählen. «Einmal stoppte mich ein Warnschild «Achtung vor bissigem Hund». Als sich nichts bewegte, wagte ich, den Garten zu betreten um zur Haustüre zu gelangen, als plötzlich ein grosser Schäfer bellend auf mich zukam. Mein Puls raste auf 180 zu und mir war beklommen zu Mute. Da schaute endlich jemand aus dem Fenster und fragte gelassen, was ich wolle. Der Mann meinte, ich könne ruhig reinkommen. Amüsiert setzte er hinzu: Keine Angst, der wirklich bissige Hund ist im Haus und schnappt nur nach Männern.» Priska Dauwalder lacht beim Reden, ist eine mutige und ausdauernde Person. Als älteste Tochter mit drei jüngeren Brüdern in Bellach aufgewachsen, lernte sie schon früh sich durchzusetzen. Als junge Frau verbrachte sie einige Monate in Australien, studierte erst Englisch und bereiste danach das Land. Zurück in der Heimat fuhr sie aktiv Velorennen, liebte vor allem die Bergstrecken. Im letzten aktiven Jahr als lizenzierte Fahrerin klassierte sie sich bei nationalen Rennen regelmässig in den ersten zehn Rängen. Die ihr eigene Beharrlichkeit hilft ihr auch heute, wenn sie eine herausfordernde Situation bewältigen muss. «Einmal suchte ich auf einem verlassenen Areal nach dem Zählerkasten. Keine Seele weit und breit. Ich lief alles ab und fand schliesslich einen versteckten Zähler hinter einer Kellertüre. Da war mir schon etwas mulmig im Bauch.» Normalerweise ist in einem Mehrfamilienhaus wie auch bei grossen Liegenschaften ein Hausmeister oder Haustechniker zuständig und behilflich. Priska Dauwalder berichtet von vielen positiven Begegnungen mit hilfsbereiten, freundlichen und zuvorkommenden Mietern und Hausbesitzern.

Schätzt den Kontakt mit Menschen
Leute reagieren unterschiedlich auf das Begehren, jemanden Fremdes ins Gebäude zu lassen. Auch wenn sich die Besucherin als Zählerableserin vorstellt. Dies bekam sie in einer Reihenhaussiedlung zu spüren, wo drei Frauen beim Kaffeeschwatz im Garten sassen. Priska Dauwalder grüsste und bat, zu den Zählern geführt zu werden. «Es kam kein Gruss zurück. Eine Frau verschwand und drückte mir später wortlos einen Zettel mit dem Zählerstand in die Hand. Eine andere führte mich missmutig ins Haus und liess mich fühlen, wie ungelegen ihr das Ganze kam. Die dritte Dame hingegen bat mich höflich ins Innere.» Knifflig kann es werden, wenn bei Umbauten oder Baustellen die Anschrift nicht mehr stimmt, kein Abwart zuständig ist. «Mit Fantasie und Hartnäckigkeit sowie nachfragen im Geschäft, beim Chef oder der Vorgängerin, lassen sich alle Adressaten ausfindig machen, auch wenn der Eingang schwer zugänglich oder versteckt liegt», schmunzelt Priska Dauwalder. Beim Erzählen vibriert die Stimme voller Energie. Kein Zweifel, die Aufgabe gefällt ihr gut. «Ich bin viel an der frischen Luft, fahre Velo und komme mit unterschiedlichen Menschen und Quartieren in Kontakt. Für mich der optimale Wiedereinstig ins Berufsleben, weil mein Mann mich unterstützt und ich dann arbeiten kann, wenn die Kinder in der Schule oder bei einer Betreuungsperson weilen.» Im Gespräch mit der Zählerableserin wird schnell klar, sie freut sich auf jede neue Tour. Zumal Priska Dauwalders höfliche und respektvolle Art ihr Türen und Herzen öffnet. Silvia Rietz