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Aïna Joy Probst

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Aïna Joy Probst

Ihre grosse Leidenschaft gehört der Bühne


Vom 15. Juni bis 13. Juli zeigen die Freilichtspiele Grenchen das von Iris Minder bearbeitete Stück «Romeo und Julia» nach Motiven von William Shakespeare und Gottfried Keller. Als Julia/Vreni glänzt Aïna Joy Probst, total erfüllt vom Feu sacré für die Bühne.

Hätte Gottfried Keller seine Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe» heuten geschrieben, er hätte in Aïna Probst, so steht ihr Name auf der Besetzungsliste, ein ideales Vorbild gefunden: Vielseitig interessiert, zielstrebig, intelligent, auf dem Lande in Schnottwil aufgewachsen und von natürlicher Schönheit, die ohne Kosmetika auskommt. In einer seiner herrlichsten Novellen geht ein Liebespaar freiwillig in den Tod, weil die äusseren Umstände aussichtslos für eine Ehe sind: Verfeindete Väter, Elend und Armut. Der Schweizer Dichter hielt dafür Einkehr bei Shakespeares unsterblichem Drama «Romeo und Julia», die Solothurner Autorin und Regisseurin Iris Minder ihrerseits adaptierte Kellers Liebesgeschichte von Vreni und Sali aus dem Zyklus «Die Leute von Seldwyla» in die heutige Zeit und in die Region Grenchen- Solothurn. Iris Minder ist auch die Entdeckerin von Aïna Probsts Bühnentalent. «Mit 12 Jahren machte ich beim Kindertheater Lommiswil mit und von da an war ich mit dem Bühnenvirus infiziert», erzählt die Mittelschülerin, die in eineinhalb Jahren die Matura ablegen wird. Die junge Mimin war schon öfters beim Freilichtspiel in Grenchen dabei: 2017 in «Wiiberheer» als Frieda und 2015 im Kindertheater Blitz in Grenchen unter der Regie von Susanne Zimmermann als «rote Zora». Was den aktuellen Einsatz von früheren unterscheidet ist, dass diesmal auch ihre jüngere Schwester Yaël und ihr Vater Lorenz Probst mitspielen. «Mein Vater ist eigentlich durch mich zum Schauspielern gekommen. Nach der Erfahrung im Kindertheater Blitz bestürmte ich meine Eltern, beim Theaterverein Lyss (teatrolyssimo) nachzufragen, ob es in der aktuellen Produktion eine Kinderdarstellerin brauche», erinnert sie sich. Lachend fügt sie an: «Für mich gab es zwar keine Aufgabe, dafür wurde mein Vater engagiert. Es fehlte nämlich ein Darsteller seiner Altersgruppe.» Heute sind Vater und Tochter gemeinsam Mitglieder des teatrolyssimo und Alïna brillierte 2017 als Lilly im Stück «Jacky Pott». Dass sie dereinst die Julia, die Traumrolle aller Jungschauspielerinnen, verkörpern würde, weiss sie schon seit zwei Jahren. «Iris Minder hat mich schon so früh angefragt. Aber ich durfte mit niemanden darüber sprechen. Das ist mir schwergefallen, weil ich mich so unendlich über diese Chance freute. Aber ich habe geschwiegen und nicht einmal meinen Eltern etwas davon gesagt.»

Mit Vater und Schwester
«Am Anfang habe ich mich schon auf dem berühmten Balkon gesehen. Bis ich realisierte, dass ich nicht die Julia aus Verona, sondern das Vrei aus Seldwyla spielen werde », schmunzelt sie. Bis Szene 8 wird das Liebespaar von Kindern verkörpert (Melissa Sallaz und Tobias Staufer) danach spielen Aïna Probst und ihr Bühnenpartner Matthias Salzmann. «Er ist ein Profi und ich kann viel von ihm lernen», schwärmt sie. Ein Vorbild ist ihr auch der Vater geworden. Sie sind schon in die Charaktere von Grossvater und Enkelin geschlüpft. Nun verkörpert Lorenz Probst den schwarzen Geiger, der gegen die junge Liebe intrigiert. «Es ist toll mit ihm in einem Projekt zu wirken und ich bewundere ihn sehr. Die gemeinsame Leidenschaft für die Bühne hat unsere Vater-Tochter-Beziehung vertieft », sinniert Aïna Probst. Sie fühlt sich im Team gut aufgehoben und schätzt das gemeinsame Erarbeiten des Stücks. Neben der Passion Bühne lernt die gerade Achtzehn gewordene Bucheggbergerin Autofahren, ist im Turnverein Schnottwil engagiert, tanzt gerne und liebt das Reiten. «Ich empfinde es als Privileg, dass ich hier in einem schönen Dorf in der Natur leben darf. Dafür nehme ich gerne einen etwas längeren Schulweg in Kauf. Ich bin mit den Kindern im Quartier aufgewachsen, darf Reitstunden nehmen und Theaterspielen. Ich bin ein Glückspilz», meint sie. Anders als Vreni im Stück wartet Aïna im realen Alltag noch auf den Traumprinzen. Die Liebe gilt noch ungeteilt der Bühne. Silvia Rietz