Leute

Spiel und Spass am Fest

» Mehr

Regio Info

Messer Wohnen zeigt neue Interieurideen in den neugestalteten Ausstellungsräumen in Bellach

» Mehr

Kopf der Woche

Boris Petronje

» Mehr
Boris Petronje

Mit Samtstimme, Witz, Charisma und Noblesse


Der aufstrebende Bassist Boris Petronje debütiert als Basilio in Rossinis «Il Barbiere di Siviglia» am Theater Biel Solothurn, ist ab 15. September in Biel und ab 30. September in Solothurn zu hören. Im November steht er zudem in der neuen Jost Meier Oper «Marie und Robert» auf der Tobs-Bühne.

Seit vielen Jahren lebt Boris Petronje in der Schweiz, versteht Dialekt, liebt die Küche und hat sich sehr gut integriert. Seit kurzem besitzt der gebürtige Serbe den roten Pass, ist stolz und glücklich. Da trifft es sich gut, dass er just im Jahr des «Schweizerwerdens» in der neuen Oper von Jost Meier, dem wichtigsten zeitgenössischen Opernkomponisten des Landes, dabei sein wird. Zuvor aber wird er als Basilio im «Barbiere di Siviglia» reüssieren. Dessen Verleumdungsarie «La Calunnia» gehört zu den Perlen, die sich kein Bass entgehen lässt. «Ich liebe den Witz, die Leichtigkeit, den Charme, kurz die Italianità dieser Musik. In Biel ist ein internationales Ensemble zusammengekommen, das gut harmoniert und mit viel Spielfreude agiert.» Egal in welche Rolle der grossgewachsene Sänger schlüpft, Hauptpartie oder Nebenrolle, er macht sich den Charakter zu eigen. Die mächtige, in sich gerundete Stimme mit dem superben Timbre fiel bereits beim 14-jährigen Kirchenchorsänger auf. «Ich war der einzige Bass im Chor und eigentlich mehr wegen dem Reisen und den Frauen beigetreten, als wegen der Kirche», lächelt er verschmitzt. Segensreich war es trotzdem: Der Jüngling hat sich nämlich nicht in eine der Chordamen, sondern in das Singen verliebt und angefangen Musiktheorie zu studieren. Bereits mit 17 Jahren sang er im Serbischen National Theater in Novi Sad, der zweitgrössten Stadt des Landes, in «Tosca» und «Il Trovatore».  Nachdem er einige Wettbewerbe gewonnen hatte, wurde er für grössere Partien an die Oper von Belgrad verpflichtet. Parallel dazu schloss er das Gesangsstudium bei Biserka Cvejic, einer berühmten serbischen Mezzosopranistin, mit dem Master ab, träumte von einer Karriere im Westen. «Natürlich sah ich mich an der Scala, auf den Spuren meiner Idole Schaljapin, Ghiaurov, Christoff und Siepi», schmunzelt er. Der Sprung in den Westen gelang Boris Petronje furios, wenn auch in die Schweiz und nicht in Verdis Heimat. Er bewarb sich am Internationalen Opernstudio Zürich, eine der ersten Adressen für Operntalente. Noch während der Ausbildung wurde er von Dominique Mentha ans Theater Luzern engagiert, wo er von 2004 bis 2011 zum festen Ensemble gehörte.


Dramatisch und Komödiantisch 
«In Luzern konnte ich viele grosse Basspartien singen und das Repertoire kontinuierlich erweitern», erinnert er sich. Die ungewöhnlich farbenreiche Bassstimme und die Spiellust des Bühnen-Beau brachten ihm interessante Aufgaben und Kritikerlob. Mit Paradepartien wie Don Giovanni, Leporello, König Philipp und Zaccaria im Gepäck, hat sich der Radius von Boris Petronje ausgeweitet. «Natürlich singe ich neben den Rossini-Charakteren und Verdi-Partien auch das russische Fach. Waarlam und den Titelhelden in «Boris Godunow», Kontschak und Fürst Galitzky im «Fürst Igor» und Sussanin in «Ein Leben für den Zaren», sind absolute Traumrollen.» Von der grossen Wandlungsfähigkeit des Sängers wie des Bühnendarstellers konnte sich das Publikum bei zwei Konzerten bei Musik im Blumenstein überzeugen. Gemeinsam mit Franco Trinca am Klavier – der Maestro  wird den  «Barbiere» dirigieren –  begeisterte  Boris Petronje im Rezital «Herrscher und Diener» mit Kostproben seiner dramatischen und komödiantischen Ader. Gemeinsam mit Judith Lüpold servierte er unter dem Titel «Im Feuerstrom der Reben» Trinklieder aus Oper und Operette, glänzte mit Virtuosität, Präsenz und Eloquenz. Gegenwärtig gehört sein Herz Rossini, ist als Basilio im Theater Biel und Solothurn zu erleben.                                     Silvia Rietz