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Benno Furrer

Bauernhäuser faszinieren Benno Furrer seit jeher


Das Buch «Die Bauernhäuser des Kantons Solothurn» vollendet eine 39 Bände umfassende Reihe, welche die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde vor mehr als 50 Jahren begründete. Benno Furrer, Projektleiter des wissenschaftlichen Langzeitprojekts und Koryphäe auf diesem Gebiet, hat sich sein ganzes Berufsleben mit Bauernhäusern befasst. Am Donnerstag, 5. Dezember, 17.00 Uhr, wird die Neuerscheinung im Rahmen einer öffentlichen Vernissage an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten vorgestellt.

Aufgewachsen im Kanton Uri, ist Benno Furrer der Bauernstand seit der Kindheit vertraut. Seit jeher faszinierte ihn das Können und die Kunst der Handwerker, die schon vor Jahrhunderten Bauernhäuser bauten. Das Geografie-Studium in Zürich schloss er mit der Dissertation über Wandlungsprozesse der Urner Alpwirtschaft und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Alpgebäude ab. Er verfasste die Bände Uri (1985) sowie Schwyz und Zug (1994) der Reihe «Bauernhäuser der Schweiz» und nun mit seinen Mitautoren Roland Flückiger-Seiler, Doris Huggel und Pius Räber den letzten, dem Kanton Solothurn gewidmeten Band. Gegenüber den Streusiedlungen in den Berggebieten konzentriere sich die Landwirtschaft im Kanton Solothurn auf Fluren in der Umgebung der Dörfer. Ein eklatanter Unterschied sei zudem, dass in den Berggebieten vermehrt der Rohstoff Holz für Blockbauten verwendet wurde, während im Flachland Steinbauten oder strobedeckte Hochstudbauten dominieren. «Doch die Vielfalt der Bauernhäuser im Kanton Solothurn ist bemerkenswert », freut sich Benno Furrer. Während seines Projektes befasste er sich wohl eingehend mit der Architektur und der Volkskunde, doch auch der Bauernalltag wurde mit einbezogen. «Die Architektur ist eher bei den Bauten des 20. Jahrhunderts, bei den so genannten Aussiedlerhöfen ein Thema, sonst bestimmten die traditionellen Handwerker, Zimmerleute, Maurer und Schreiner das Bauwesen in Bezug auf Form, Materialität und Gestaltung. Der bäuerliche Alltag ist immer präsent und manifestiert sich einerseits über die Ausstattung der Wohnräume, andererseits in den Arbeitsgattungen im Landwirtschaftsbetrieb, wie Ackerbau, Rebbau, Viehwirtschaft, Käserei und andere Bereiche.

Landwirte müssen flexibel sein
Benno Furrer berichtet, dass in der Schweiz jährlich rund 700 Bauernbetriebe verschwinden. «Kleinere und traditionell bewirtschaftete Höfe geben auf, das Land wird verkauft oder verpachtet. Hingegen wächst die biologische Landwirtschaft.» Er staune, wie kreativ moderne Landwirtschaft gestaltet werde. Bewundere Frauen, die in einem angestammten und landwirtschaftsfernen Beruf zum Familieneinkommen beitragen, genauso Bauern, die einen Hofladen betreiben oder ihre Produkte auf einem regionalen Markt verkaufen. Um zu überleben müssen die Landwirte flexibel und ideenreich agieren, meint Benno Furrer. Grundvoraussetzungen, die er im Kanton Solothurn angetroffen habe. Von den Bauernhäusern haben es ihm besonders die Bauten auf dem «Chammersberg» ob Hägendorf, aber auch die Höfe in Seewen und der Charme des Bucheggberges angetan. Im Gegensatz zu anderen Gebieten sei die Grundlagenforschung bei diesem, den Solothurner Eigenheiten gewidmeten Band, einfacher gewesen. «Das Solothurner Staatsarchiv verfügt über eines der umfassendsten Archive, die wir im Laufe unserer Forschungen angetroffen haben», lobt er. Viele Informationen fand er zusätzlich in alten Prozessakten. Dabei staunte er, wie detailliert Zeugenbefragungen durchgeführt wurden. «Bei Brandstiftung, Mord und anderen Delikten wurde im 19. Jahrhundert auf jede Kleinigkeit geachtet. So liest man, dass die Hausbewohner zum Zeitpunkt des Brandausbruchs am Stubentisch Bohnen auffädelten und den Rosenkranz beteten», schmunzelt Benno Furrer. Wer sich für die Solothurner Bauernhäuser interessiert, kann das Werk beim Lehrmittelverlag Solothurn beziehen.

Silvia Rietz