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Eva Finkam

Sternenkinder werden von ihr mit viel Liebe bestattet


Ein Kind zu verlieren gehört zum tiefsten Schmerz, der einem Menschen widerfahren kann. Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Für Eva Finkam hingegen sind alle verstorbenen Kinder «Sternenkinder». Sie ist die einzige Bestatterin in der ganzen Deutschschweiz, die sich auf Kinder- und Jugendbestattungen spezialisierte: «Die verbleibende Zeit mit dem toten Kind ist unwiederbringlich und jede Trauerfamilie erlebt sie individuell.»

Stirbt ein Kind, widerspricht dies dem normalen Lebenszyklus. Lässt für Eltern, Geschwister und Grosseltern die Welt zusammenbrechen. «Oft stellen Kinder sich vor, ihr verstorbenes Geschwisterchen wohne oben, im Himmel, auf einem Stern, und das tröstet sie», erzählt Eva Finkam, weist auf die wunderschönen, mit Sternen und Schmetterlingen verzierten Urnen hin. Die Gefässe haben sie und ihr Mann gemeinsam entworfen und von einem Töpfer modellieren lassen. Sternlichtbestattungen heisst auch ihr Unternehmen. Wohlwissend, dass ein verstorbenes Kind immer ein Fixstern am Familienhimmel bleiben wird. Eva Finkam ist eine naturverbundene Frau, aufgewachsen in einer Grossfamilie im Emmental. Die Mutter betreute Strafgefangene, der Vater bot Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen eine Lehrstelle oder Anlehre für ein Gewerbe an. Ein einfaches und sinnerfülltes Leben, das Eva Finkams Jugend und späteren Berufsweg prägte: Erst arbeitete sie mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, danach liess sie sich zur klassischen Bestatterin und später zur Familientrauerbegleiterin ausbilden. Parallel dazu zog sie zwei Töchter und einen Sohn gross. Wurzeln, die ihre Empathie und Sensibilität stärkten, das Unverkrampfte und Achtsame förderten und das Begegnen mit Trauernden auszeichnet. Sie steht ihnen zur Seite, wenn es heisst, sich zu verabschieden und der Erde zu übergeben. «Ich bin für die Familie und die Verstorbenen da, aber ich bin keine Ritual- oder Trauerbegleiterin. Ich kümmere mich um die Angehörigen und um das verstorbene Kind (auf Wunsch auch um verstorbene Erwachsene) in der Zeit zwischen Totenbett und Grab», grenzt sie ein. Liebe mache es möglich, die kostbaren Tage dazwischen nicht nur zu überstehen, sondern zu leben. Dabei entscheiden die Angehörigen und die Bestatterin gemeinsam, wieviel sich Eltern und Geschwister einbringen, was sie delegieren möchten. «Eine gute Bestatterin nimmt sich dafür genügend Zeit und Ruhe, damit die Trauerfamilie eine authentische Abschiedsform findet, die allen Bedürfnissen gerecht wird», betont Eva Finkam. Sie spürt, welche Fragen zu beantworten sind, lässt verschiedene Möglichkeiten offen.

Liebende Fürsorge
Welche Art der liebenden Fürsorge in einer Trauerfamilie praktiziert werde, dafür gebe es keine goldene Regel. Einzig das Wissen, was der Familie ermöglicht, wie auch was von ihr versäumt werde, bestimme den weiteren Trauerweg. «Spüren Eltern, was sie brauchen und möchten, sind sie auf dem für sie persönlich richtigen Abschiedsweg», bemerkt die Bestatterin. Die Fürsorge, die sie dem toten Baby, Kind oder Jugendlichen angedeihen, tröstet. «Das Kind wird gestreichelt, geküsst, gewaschen, geölt, gekämmt. Die Lieblingskleider werden angezogen. Gebete gesprochen, vertraute Märchen erzählt oder Gute-Nacht-Lieder gesungen. Kuscheltiere, Spielzeug und Blumen schmücken das Sterbezimmer oder die Aufbahrung. Die Totenfürsorge und die Totenwache sind ein wichtiger Schritt beim Loslassen und Abschiednehmen. «Der Mensch kann den Tod eines Nahestehenden am besten verarbeiten, wenn er drei Bilder erleben kann: Das Bild des Lebenden, des Kranken und des Toten», meint Eva Finkam. Mit viel Liebe, Aufmerksamkeit und kleinen, individuellen Details gestaltet Eva Finkam gemeinsam mit den Eltern und Geschwistern alle Stadien des Abschiednehmens, bestattet liebe- und würdevoll. Sie ist bei den Familien, wenn Kinder zu Sternenkinder werden. Silvia Rietz