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Oswald Schneider

Am Steuer fühlt sich Oswald Schneider wohl


Oswald Schneider fährt alles was vier Räder hat: Reisebusse, Lastwagen, Militär-Jeep, Unimog, Haflinger und natürlich die grossen Kehrichtwagen.  Mit seinem Bruder Ferdinand Schneider führt er die Firma Schneider Reisen und Transporte AG in Langendorf. Ein Familienunternehmen, welches in Bellach seinen Ursprung hat. Oswald Schneider ist für die Transportabteilung und auch die Abfallentsorgung zuständig. Im Sommer ein buchstäblich heisser Job.

Personen und Güter transportieren liegt den Schneiders im Blut. Hans Schneider brachte 1953 mit Ross und Wagen jene Waren, welche die Post nicht verteilen konnte, als Bahn-Camionnage zu den Empfängern. 1963 begann sein Vater Hans Schneider den Dorfkehricht zu sammeln und in die Grube im Lommiswiler Wald zu kippen. Der 2014 verstorbene Firmengründer gehörte zu den Pionieren für umweltverträgliches Abfallentsorgen, engagierte sich in der Umweltkommission und gründete 1992 die SV Kompostieranlage in Bellach, die heute von seiner Tochter Regula Aerni-Schneider geleitet wird. Oswald Schneider hat alles von der Pike auf mitbekommen, half schon als Kind bei der «Ghüderabfuhr» mit. Später lernte er Carrosserie-Schlosser und trat danach in das Familienunternehmen ein. Lebhaft erinnert er sich, als 1976 die KEBAG AG in Zuchwil eröffnet und das Abfallentsorgen revolutioniert wurde. Er kennt die Entwicklung und die Firmengeschichte.  «Nächstes Jahr feiern wir zwei Jubiläen: 40 Jahre Schneider Reisen und 65 Jahre Schneider Transporte AG», erzählt er. Mit glänzenden Augen berichtet er wie sein Vater und Max Naef  (Carrosserie Hess AG) zusammen nach Norwegen flogen und einen der ersten automatisierten Kehrichtwagen kauften und nach Bellach brachten. «Wir haben immer in den Betrieb investiert und mit der neusten Technik Schritt gehalten», doppelt er nach. Heute sind die Söhne Patrick und Alexander ebenfalls mit an Bord. Oswald Schneider leitet die Transportabteilung und ist damit auch für die Kehrichtentsorgung zuständig. Wie alle Mitglieder des Schneider-Clans gehört auch er zu den Spezies «Chrampfer», ist stets auf Achse. Als die Kinder noch klein waren und er die ganze Woche mit dem Kehrichtwagen unterwegs war, fuhr er an den Wochenenden häufig Reisegruppen nach Spanien. «Während den Schulferien nahm ich jeweils die Familie mit, liess sie eine Woche das Meer geniessen und holte sie mit der nächsten Gruppe wieder zurück», lacht er. April bis Oktober herrscht Hochsaison, da liegen keine Ferien drin. 

Tücken des Sommers
Der Sommer bringt viele Reisen, aber auch Gefahren. «Während der Grillsaison kann es vorkommen, dass glimmende Asche unter den Kehricht kommt. Viermal hat ein Kehrichtwagen gebrannt», weist er auf die Tücken der heissen Jahreszeit hin. Die Hitze bringe auch mehr Geruchsimmission mit sich. Gerade in Blockquartieren, wo der Hausabfall nicht rigoros getrennt werde und lange in der Wärme lagere, sei Madenbefall keine Ausnahme. «In unserem Gewerbe darf man den Dreck nicht scheuen», schmunzelt er. Oswald Schneider sitzt von 7.00 bis 17.00 Uhr am Steuer, zwei Mitarbeiter stehen hinten auf der Ladefläche, leeren die Container. «Da tropft der Schweiss und wir freuen uns immer, wenn wir in Oberdorf eintreffen. Dies ist die Gemeinde mit den meisten Brunnen und wir können uns häufig den Kopf kühlen.»  Gerne fährt er auch zur «Chapf»-Grube in Selzach. «Morgens um 6.30 Uhr scheinen die Berge zum Greifen nah. Eine Pracht...», schwärmt er und schlägt den Bogen zur Mitternachtssonne. Als er mit der Reisegruppe und Mitarbeiter Ernst Stoll  mit dem Car auf der Schneider Katalogreise «Traumreise Nordkap und Lofoten» Skandinavien bereiste, wollte das Nachtlicht einfach nicht kommen. Mit einem wunderbaren Sonnenaufgang wurde die Geduld der Solothurner um 1.35 Uhr belohnt «Da setzten wir die Sonnenbrille auf, staunten und fuhren weiter», kommentiert er das Naturschauspiel. Beim Morgenessen trafen sie einen Deutschen, der über die fehlende Mitternachtssonne jammerte und bewiesen ihm mit Fotos, dass er im Gegensatz zu den Schweizern einfach zu früh aufgegeben hatte. Aufgeben, dies kennt Oswald Schneider nicht.     Silvia Rietz