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Philipp Späti

Er hat das Steuer im Betrieb und im Bus fest im Griffs


Philipp Späti punktet mit massgeschreinerten Küchen und Möbeln. Der Chef eines kreativen Teams ist hautnah in die Produktion der Späti Innenausbau AG in Bellach eingebunden. An den Wochenenden wechselt der Unternehmer jedoch in die Rolle des Arbeitnehmers, chauffiert Reisecars, erkundet andere Länder und Kulturen. Der erfolgreiche Macher vereint Gegensätze, schätzt unorthodoxe Ideen sowie Tradition und Innovation.

Es kommt häufig vor, dass sich ein Anrufer als ehemaliger Fahrgast zu erkennen gibt und zu einem Kunden wird. «Wir waren vor sechs Jahren mit ihnen in der Toskana, jetzt brauchen wir eine neue Küche, heisst es dann», lacht Philipp Späti, der sich 2017 eine Auszeit nahm und als Busfahrer quer durch Europa tourte. So, wie für den Bellacher nicht einfach Schwarz und Weiss, sondern viele Schattierungen existieren, so bunt gestaltet er den Alltag. Als Firmeninhaber und Carchauffeur kennt Philipp Späti beide Seiten des Arbeitsmarktes, schätzt den Kontakt mit anderen Menschen, richtet den Blick nicht nur am Steuer nach vorne. Dabei, nicht Fahrzeuge, sondern der Werkstoff Holz gehört seit bald hundert Jahren zur Familie Späti. So, wie das in dritter Generation geführte Unternehmen einen Teil der Bellacher Dorfgeschichte ausmacht. Philipp Späti ist in der Tradition und Sicherheit der von seinem Vater und zwei Onkeln geführten Schreinerei und Zimmerei Späti aufgewachsen. Er erinnert sich lebhaft an Grossvater Johann, der die Hobelmaschine fütterte und Grossmutter Marie, die ihm mit umgebundenem Kopftuch zur Hand ging. Damals sei das Material wertvoller als die Arbeitsstunden gewesen. In alten Ordnern habe er Rechnungen aus den Gründerjahren gefunden, bei denen der Stundenansatz eines Zimmermanns mit 3.70 Franken ausmachte. «Wir wurden in eine andere Zeit als unsere Grosseltern geboren. Auf dem Nachhauseweg von der Schule schauten wir bei ihnen zum «z’Vieri» vorbei, wurden zum Mithelfen angehalten. Das war schön.» Der heutige Inhaber und Geschäftsführer der Späti Innenausbau AG (die Zimmerei wird von seinen Cousins eigenständig geführt) ist von den Eltern nie zur Nachfolge gedrängt worden. Vielmehr nahm er sich in jungen Jahren eine längere Auszeit in Australien, lernte die Sprache, Land und Leute kennen und entschloss sich, dereinst in den Familienbetrieb einzusteigen. Mit diversen Fortund Weiterbildungen brachte er ideale Voraussetzungen mit. «Ich hätte auch das Zeug zum Landwirt gehabt. Hielt mich als Kind oft auf dem Bauernhof der Grosseltern mütterlicherseits auf.»

Handwerker, Chauffeur und Visionär
Nicht Bauer, sondern diplomierter Schreinermeister ist er geworden. Präsentiert Philipp Späti einem Kunden eine neugefertigte Küche, ist ihm der Stolz auf die Eigenproduktion anzumerken. Kein Zweifel, der innovative Allrounder hat seinen Platz gefunden. Das Rüstzeug holte er sich nicht zuletzt im Militär, wo er schnell Führungsqualitäten zeigte und die Lastwagenprüfung bestand. Nachdem er und sein Cousin 1998 die Firma übernommen hatten, teilten sie 2000 die Bereiche Innenausbau und Zimmerei in selbständige Unternehmen auf. Philipp Späti sanierte 2011 das Firmengebäude und eroberte 2015 mit dem modernen Küchensystem «Aurélie Späti» (in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Design- und Architekturbüro atelier oï) den Markt. Seiner Natur entsprechend vereint der sportlichelegante Trendsetter auch hier zwei Pole: Als Handwerker und Visionär verbindet er Funktionalität und Ästhetik. Wie ihm dies gelingt? Schmunzelt meint er: «Die Kunst ist, diese Punkte aufeinander abzustimmen um Individuelles und Hochstehendes zu realisieren. Wir bieten keine Designküche an, sondern schaffen bedürfnisgerechte Traumküchen. » Diese sind ständig in der Ausstellung in Bellach zu bewundern und vom 5. bis 8. März auch an der Eigenheimmesse in Solothurn. Silvia Rietz