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Imre Rencsik

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Imre Rencsik

Ein Mann des Dialoges, Freigeist und Kosmopolit


Im Thal zelebriert ein Kosmopolit und Freigeist den Ostergottesdienst. Ein Prediger, der die Kirchenbesucher mit Eloquenz, Scharfsinn, Warmherzigkeit und Humor zum Nachdenken, Schmunzeln und Handeln animiert. Imre Rencsik wohnt in Aedermannsdorf – und pendelt regelmässig nach Oradea.

Hier im rumänisch-ungarischen Grenzgebiet baute Imre Rencsik das Bildungszentrum Posticum auf, welches christlich spirituelle, karitative und kulturelle Projekte initiiert, den Menschen der Region Bildungschancen und Arbeitsplätze bietet. Die nötigen Finanzen für das Hilfswerk verdient er mit seinem 50-Prozent-Pensum als priesterlicher Mitarbeiter im Pastoralraum Dünnernthal. So spontan wie der katholische Priester den Alltag gestaltet, so virtuos wechselt er die Sprachen. Er spricht viel und gerne, auch dann, wenn das Mikrofon längst ausgeschaltet ist. Aber er mag auch die Stille. «Die auszuhalten ist nichts für Feiglinge, wie mein Freund Niklaus Brantschen sagt», schmunzelt er. Imre Rencsik ist ein Mann, der zu seiner Identität und Überzeugung steht, sich auch bei heiklen Fragen nicht hinter Floskeln versteckt. Dies unterscheidet ihn von so manchem Würdenträger. Steckt die katholische Kirche doch in einer Glaubwürdigkeitskrise. Die Skandale in den eigenen Reihen reissen nicht ab. Auf die Frage, ob für die moralisch gebeutelte Kirche sozusagen «Karfreitag» anbreche, antwortet er mit der Gegenfrage, welche Kirche gemeint sei. Er gehöre nämlich zu der Kirche, die vom Glauben lebe und mit der hierarchisch organisierten und ihren Krisen wenig gemeinsam habe. «Deswegen bin ich noch Mitglied in der Kirche. Alles andere ist für mich wie ein Museum, in dem es viel Wertvolles gibt, welches gepflegt werden muss. Doch wenn eine transparente Kommunikation mit zeitgerechter Tonalität fehlt, geht vieles verloren.» Imre Rencsik nimmt kein Blatt vor den Mund und lebt gerade dadurch persönliche Integrität vor. «Ja, für die Kirche beginnt Karfreitag. Aber eine Lebensgeschichte ist stets auch ein Stück Leidensgeschichte. Wir werden erleben, was die Kirche ist. Nicht Dogmen und Vertuschen, sondern wir alle miteinander sind die Kirche. Wenn der Heilige Geist möchte, könnte er in jede Pfarrei Priester senden und alle Klöster füllen. Vielleicht aber will er dies derzeit gar nicht. Wählt einen anderen Weg, damit wir alle zusammen Kirche werden.»

Ein Mann des Wortes, der überzeugt
Zwang ist dem geistreichen Bonvivant ein Greuel. Er ist ein Mann des Wortes, kein Verfechter von Regeln und Vorschriften. «Wir sind gefordert, selber zu denken und zu analysieren und uns von Regeln zu lösen. Das gefällt mir an der Schweiz. Hier herrscht die Freiheit, zu sagen was man denkt und zu sein, wer man ist.» Obschon der Wandel in Gesellschaft und Politik fortschreite, sei die Kirche davon noch weitgehend unberührt geblieben. «Es wirken eben mehr Mitläufer als Propheten», witzelt er. Imre Rencsik ist ein Individualist. Fakten tischt er mit einer gehörigen Portion Charme auf, unterlegt mit augenzwinkerndem Lachen. Der Priester lässt sich in kein Korsett aus Gesetzen und Vorschriften quetschen. Sei es bei kirchenrechtlichen Fragen oder im Leben generell. Nach seinem Credo besitzt jeder Mensch einen ethischen Kompass und entscheidet sebstverantwortlich, wie und was er lebt. Wolle die «kirchliche Hierarchie» ihre Macht und Kompetenzen weiterhin behalten, seien Änderungen unausweichlich. Auch wenn sie in kleinen Schritten passieren. «Aber dies ist Aufgabe der Theologen und der Kurie», lächelt er. Auf Karfreitag folge Ostern, und damit eine wichtige Botschaft: «Nicht in die Vergangenheit blicken. Nicht unbedingt nach Rom schauen, sondern in unser Inneres, wo sich die wahre Quelle des Glaubens findet. Ostern ist für mich hier und jetzt, vielleicht kommt noch ein Schokolade-Osterhase dazu. Sicher aber werden wir in den Gotteshäusern zusammen beten und singen, das ist dann Erneuerung des Gemeindelebens. Lebendigwerden für alle.» Silvia Rietz