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Vor 70 Jahren wurde der 97-jährige Anton Cadotsch zum Priester geweiht

Er war dabei als Kirchengeschichte geschrieben wurde Anton Cadotsch ist Jahrgang 1923 und feierte am 10. Oktober das 70-Jahr-Jubiläum der Priesterweihe. Der Theologe hatte wichtige Kirchenämter inne, war Religionslehrer an der Kantonsschule Solothurn, Präsident der Synode 72, Sekretär der Schweizer Bischofskonferenz und Generalvikar des Bistums Basel, erlebte die Reformen in der katholischen Kirche hautnah mit. Nun haben Jean-Pierre Simmen und Urban Fink unter dem Titel «Anton Cadotsch, Priester in Zeiten des Umbruchs» einen Interview-Band herausgebracht.

Fragte ein Student am Priesterseminar Anton Cadotsch, ob er ihn mit Doktor oder Professor ansprechen solle, schmunzelte dieser und meinte: «Professor und Doktor kann jeder Löli werden. Aber kein Cadotsch. Also nennen sie mich einfach beim Namen.» Wenigen ist beschieden, siebzig Jahre in seinem Beruf, der Berufung wurde, zu wirken und bei wichtigen Weichenstellungen dabei zu sein. Als mittleres Kind eines naturverbundenen und musischen Elternpaares in Grenchen geboren, wuchs er in einer tiefgläubigen Familie auf. Im Kapuzinerkollegium in Stans reifte er vom Kind zum Mann, liebte besonders die Fächer Literatur und Musik. Eine Leidenschaft, die den Alltag bis heute prägt. Der Wunsch, Priester zu werden, konkretisierte sich während der Rekrutenschule. Im Priesterseminar in Luzern paukte er nicht nur scholastische Philosophie und Kirchengeschichte, sondern spielte die Orgel der Seminarkapelle und sang in der Choralschola. Anton Cadotsch: «1946 setzte ich das Studium im Germanikum und an der Päpstlichen Universität Gregoriana fort. Am 10. Oktober 1950 wurde ich in Rom zum Priester geweiht.» Der 24-jährige Anton Cadotsch war dabei, als Landespatron Bruder Klaus 1947 heiliggesprochen wurde. Eine erste Euphorie erlebte der Priester im Paris der 1950er Jahre: «In Lyon entstand die sogenannte Nouvelle éologie, die bewusst auf die Kirchenväter und die eologie des ersten Jahrtausends zurückging. In Paris wurde ich offen für andere theologische Perspektiven. Dazu faszinierte mich die Arbeiterpriesterbewegung, ich war begeistert vom Ringen um eine neue, lebendige Liturgie.»

Präsident der Synode 72
Natürlich brannte der junge Priester in den 1960er Jahren auch für das Konzil und die damit verbundenen Neuerungen. Eine der wichtigsten Aufgaben erreichte Anton Cadotsch 1972–1975, als er als Präsident die Synode 72 des Bistums Basel leitete und für die Konzilsbeschlüsse eintrat. Im Gespräch lässt Anton Cadotsch durchblicken, dass Parität Geistliche und Laien sowie die Frauen eine grosse Rolle spielten. Insbesondere erwähnt er Anne Marie Höchli vom Schweizerischen Frauenbund, die Baldegger Schwester Martine Rosenberg und Marie-Theres Rotzetter vom Seraphischen Liebeswerk. Die Synode 72 setzte die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils auf diözesaner Ebene um. Auf Wunsch von Bischof Anton Hänggi wurde Anton Cadotsch nach Abschluss der Synode zum Sekretär der Schweizer Bischofskonferenz gewählt. 1983 machte ihn Bischof Otto Wüst zu seinem Generalvikar, wurde zum Stellvertreter und zur rechten Hand des Bischofs. 1993 wurde er zum Dompropst ernannt und seit 2001 ist er Ehrendomherr. Ein ereignisreiches Leben, das in den letzten Jahren wieder in die Seelsorge führte und so den Bogen zu den Anfängen als junger Vikar in Bern schlägt. Bis zum 95. Geburtstag zelebrierte Anton Cadotsch den Gottesdienst in Günsberg. Heute feiert er regelmässig mit den Spitalschwestern und mit den Schwestern vom Seraphischen Liebeswerk Eucharistie. Beneidenswert vital, interessiert und informiert, schätzt er die Initiative von Jean-Pierre Simmen und Urban Fink, Stationen seines Lebens nachzuzeichnen und sein Lebenswerk zu würdigen. Das Buch kann bei der Inländischen Mission bezogen werden: Telefon 041 710 15 01, E-Mail info@ im-mi.ch, www.im-mi.ch.